Ein Instandhaltungstechniker mit 20 Jahren Erfahrung erkennt, wenn ein Lager kurz vor dem Ausfall steht. Er weiß genau, mit wie viel Kraft eine Dichtung sitzen muss, da jede seiner Handbewegungen tief verankert ist. Diese Fähigkeit hat ihm kein Handbuch beigebracht; er hat sie sich durch tausende Wiederholungen angeeignet, bis daraus Instinkt wurde – etwas, das sich kaum schriftlich festhalten oder weitergeben lässt.
Multipliziert man diesen Erfahrungswert über die gesamte alternde Industrie-Belegschaft hinweg, wird deutlich, welch jahrzehntelanges praktisches Fachwissen mit Renteneintritten verloren zu gehen droht – schlicht, weil es nie dokumentiert wurde. Es zu erfassen, ist daher dringend notwendig. Die eigentliche Frage lautet: Wie lässt sich Wissen bewahren, das in den Händen eines Menschen steckt?
Die Antwort liegt darin, der Künstlichen Intelligenz einen Körper zu geben. Physical AI, auch als generative Physical AI bezeichnet, beschreibt verkörperte intelligente Systeme, die die physische Welt wahrnehmen, durchdenken und eigenständig in ihr handeln. Klassische Industrierobotik funktioniert, wenn Umgebung und Aufgabe feststehen und bekannt sind.
Physical AI hingegen arbeitet auf einer kognitiven Ebene: Sie passt sich sicher an unstrukturierte Umgebungen, unbekannte Objekte und unerwartete Ereignisse an, ohne dafür jeweils explizit programmiert worden zu sein. So erkennt sie ein Bauteil, das sie noch nie zuvor gesehen hat, und weiß dennoch genau, wie sie es greifen muss.
Warum dieses Problem nicht warten kann
Vier Entwicklungen machen Physical AI gerade jetzt vom Ambitionsprojekt zur Notwendigkeit.
Fachkräfte verschwinden schneller, als sie ersetzt werden können. Europas Industriebelegschaft altert, und der daraus resultierende Fachkräftemangel ist längst kein rein operatives Ärgernis mehr. Er wird zu einer echten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belastung für Hersteller, die auf erfahrene Hände angewiesen sind, um die Produktion am Laufen zu halten.
Die Daten, die Physical AI braucht, existieren schlicht noch nicht. Large Language Models haben von einer nahezu unbegrenzten Menge an Text und Video gelernt, die bereits im Internet vorhanden war. Für Roboter gibt es kein Äquivalent. Tastsinn, Kraft, Klang und räumliches Urteilsvermögen wurden nie digitalisiert – deshalb trainiert Physical AI mit rund 120.000-mal weniger Daten, als heutigen führenden Sprachmodellen zur Verfügung stehen. Diese Daten müssen in der realen Welt erzeugt werden, Demonstration für Demonstration. Sie lassen sich weder zusammentragen noch einfach simulieren.
Automatisierung einzuführen, ohne sie vorher erprobt zu haben, ist ein Risiko, das sich kaum ein Unternehmen leisten kann. Robotik- und KI-gestützte Automatisierungsprojekte scheitern in der Praxis nach wie vor häufiger, als vielen Unternehmen bewusst ist – und das, weil das System nie unter genau den Bedingungen getestet wurde, unter denen es später funktionieren musste. Ein solcher Fehlschlag ist nicht nur teuer, er kann Unternehmen dazu zwingen, ganze Prozesse um einen Roboter herum neu zu gestalten, dessen Eignung nie nachgewiesen wurde.
Vertrauen und Kontrolle zählen inzwischen genauso viel wie Leistungsfähigkeit. Unternehmen, besonders in Europa, wollen zunehmend, dass ihre Trainingsdaten und trainierten Skills unter ihrer eigenen Kontrolle bleiben – verarbeitet auf Infrastruktur, der sie vertrauen, statt an eine fremde Plattform übergeben, der sie nicht vertrauen.
Zusammengenommen erklären diese vier Entwicklungen, warum sich der Markt intelligenter und humanoider Roboter so schnell bewegt. Die Unternehmen, die ihre Anwendungsfälle schon heute nachweisen – mit deutlich weniger Risiko und deutlich weniger Rätselraten – werden diejenigen sein, die Physical AI bereits produktiv einsetzen, während andere noch überlegen, wo sie anfangen sollen. Je länger ein Unternehmen wartet, desto weiter fällt es zurück.
NEURA Gym: Aus Erfahrungswissen wird ein einsatzbereiter Skill
Klingt überzeugend – aber wie kommt man dorthin, ohne selbst über die nötige Infrastruktur, Hardware oder Software zu verfügen?
Genau dafür wurde der NEURA Gym gebaut: ein globales Netzwerk physischer Trainingsstätten, das jahrzehntelanges Erfahrungswissen in skalierbare Robotik-Skills verwandelt – einen Anwendungsfall und einen Partner nach dem anderen. Da jeder Skill unter realen Bedingungen trainiert und getestet wird, bevor er je eine Produktionslinie erreicht, setzen Unternehmen ihn mit deutlich mehr Sicherheit und deutlich weniger Nacharbeit ein, als wenn sie kalt in der Werkshalle starten würden.
Was sich ändert, sobald Unternehmen mit dem Training beginnen
Unternehmen, die jetzt starten, erhalten einen Vorsprung von 18 Monaten sowie garantierten priorisierten Zugang zur nächsten Generation vollständig einsatzfähiger, einsetzbarer kognitiver und humanoider Roboter. In der Praxis bedeutet das:
- Ihr Anwendungsfall, definiert und betreut von uns. Training ist bei uns nicht generisch. Jede Trainingsstätte wird um den konkreten Prozess des Partners herum aufgebaut, gemeinsam mit unserem Team abgesteckt und betrieben.
- Sie werden Teil eines wachsenden Ökosystems – nicht nur Kunde eines Anbieters. Jeder neue Standort, jeder neue Partner erweitert ein gemeinsames Netzwerk aus Infrastruktur, Know-how und trainierten Skills.
- Ihre Daten bleiben bei Ihnen. Trainingsdaten und Modelle werden auf europäischer Infrastruktur gespeichert und verarbeitet. So bleibt die Hoheit über Ihre Daten bei Ihnen und geht nicht an den Anbieter über.
- Sie können auf den vollständigen Deployment-Zyklus zurückgreifen, anstatt auf nur einzelne Bausteine. Von der Use-Case-Bewertung bis zum Einsatz auf dem physischen Roboter kommen sämtliche Komponenten – Hardware wie Software – aus einer integrierten Pipeline, statt aus einem Flickenteppich verschiedener Anbieter.
- Der Neuraverse verwandelt Ihre Fähigkeit in Mehrwert. Ein trainierter Skill muss nicht in einer einzigen Fabrik verbleiben. Über den Neuraverse-Marktplatz können Partner ihre trainierten Skills anderen Unternehmen lizenzieren – oder auf Skills zugreifen, die andere Partner bereits entwickelt haben: quasi ein App-Store für Fähigkeiten.
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